Eine Wurf – Aussaat in der Fläche ist in deutschen Gärten ein absolutes Randphänomen, maximal im Permakultur – Garten akzeptiert und tritt im öffentlichen Raum höchstens mal als Blühstreifen – Mischung gebietsheimischer Wildblumen in Tourismusgebieten auf (zwischen frisch asphaltierter Landesstraße und dem neuen Radwegen).

Unser lineares Denken in der Gartenkultivierung scheint ein bereits lange wirkendes Ergebnis der allmählichen und dann immer intensiver fortschreitenden Mechanisierung zu sein. Wir legen inzwischen Wert auf „sauber getrennte Sorten“ und das möglichst ohne Beikräuter, genannt „Un-Kraut“, obwohl es doch dinglich ist und damit kein „Un-Ding“. So entstehen auch bei uns an der Schnur gezogene Reihen linearer Aussaaten von Frühgemüse (z.B. Radieschen, Schnitt-Lauch und -Salat etc.). Auch Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen und Wurzelgemüse steht meist nicht in Horten sondern säuberlichst aufgereiht. Die Beikraut- Beräumung, auch als Gründünger, geht so schneller voran. Der „Sämann auf dem Felde“ kommt nur noch in alten Darstellungen aus längst vergangenen Zeiten vor. Aber es gab ihn, zumindest bis Öl verzehrende Traktoren zu mehr Wohlstand und Landflucht beitrugen.
Nun, der Interkulturelle Garten Güstrow ist nicht vorrangig ein Ort vergangener Zeiten. Er ist durchaus ein Ort der aktuell gelebten Garten–Vielfalt und dieses nicht nur für viele Falter (Ökoanspruch = „Vielfalter“), sondern real betrachtet für den interkulturellen Austausch von Erfahrungen im Nutzgarten.

Hier gibt es flächige Beete mit kleinen umlaufenden Erdwällen zu sehen (darin Wurf – Aussaaten) und Bewässerungsgräben neben Hügelkulturen. Es gibt somit den persisch – arabischen Ansatz der Nutzgartenkultur zu bestaunen. Der Vergleich zum norddeutschen Gartenbau (welcher sich ja auch gerade verändert) ist absolut spannend.
Die Grundgedanken persisch – arabischen Feldbaus gehen von einer ganz anderen Wasserverfügbarkeit aus. Das hat nicht nur mit dem Reisanbau1 zu tun, nein es hat etwas mit der grundsätzlichen Verfügbarkeit und Verteilung von Wasser zu tun (→ trockene Hitze oder Kälte). Es geht also um eine alte verinnerlichte Gartenbaukultur, die unterirdische Wassersysteme (Qanat), lokale Aquifere, Gräben, Brunnen, Staubecken und Hebewerke erfunden hat.
Dieses ist zum Beispiel sinnvoll wenn Wasser nur zeitweise abregnet und dann lange nicht, sowie wenn der Oberboden keine kapillar gespeicherte Feuchtigkeit abgeben kann. Ein hoch spannendes Feld zwischen Wissen aus Erfahrungen und einer möglichen Zukunft, sowie einen Einstieg in den Kulturaustausch2 auf Augenhöhe. → es gibt bei uns kein „besser“, sondern „anders“, denn wir sind gemeinsam auf der Suche nach nachhaltigen und kostengünstigen Systemen.
- 1Durchschnitts-Temperatur von 23° C / Wasser-Verfügbarkeit 140-180 Tage https://schriftgut.sh/viewer/fullscreen/PPN799196371/44/

Ein weiteres Betätigungsfeld ist das spielerische Heranführen der Kinder an die Elemente Erde, Pflanzen, kleine Tiere und die uns umgebende saubere Luft. Letzteres genießen unsere Kinder noch gerne, zumal die räumlichen Möglichkeiten im neben liegenden Wohnheim sehr begrenzt sind. Mit dem Blick auf die Erde ohne Fußball vor den Füßen und dann noch in still beobachtender Betrachtung ist es schon etwas schwieriger.
Die von Kindern angelegten Beete zeigen Spontanität, Schaffenswille und (unter Anleitung) auch die Notwendigkeit zur regelmäßigen Bewässerung (sonst wird aus den Radieschen und Erdbeeren nichts). Kaum etwas ist hier gerade angelegt. Es geht hoch und runter und es wächst doch. Die schriftlichen und sprachlichen Lernerfolge der Schule werden auf Tafeln fixiert und zur Besicherung der kinder- eigenen Beete davor gesteckt. Es beleibt zu berichten ob die Wegschnecken das Lesen auch gelernt haben oder nur ihrem Schnirkelschnecken -wissen folgen und dem Nahrungsduft auf gut 50m zustreben werden. Auch dieses hängt wohl vom Regen ab.


